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Wie Erwachsene lernen

Lern­motivation bei Mitarbeitern: was wirklich zieht

Von Thomas Kohns, Berufspädagoge · 25.09.2026 · 2 Minuten Lesezeit

Mitarbeiterin freut sich am Schreibtisch

Viele Unternehmen kennen das Bild: Eine Schulung wird angeboten, und die Teilnehmenden sitzen sie ab. Sie schauen auf die Uhr, beantworten nebenbei Mails und sind froh, wenn es vorbei ist. Daraus wird schnell der Schluss gezogen, die Belegschaft habe kein Interesse am Lernen.

Die Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft von 2024 zeigt, dass mehr als die Hälfte der kleinen und mittleren Unternehmen geringes Interesse der Beschäftigten als Hemmnis für Weiterbildung nennt. Die Frage ist, woher es kommt.

Was die Forschung sagt

Edward Deci und Richard Ryan haben mit der Selbstbestimmungstheorie eines der bekanntesten Modelle der Motivation entwickelt. Danach entsteht Motivation von innen, wenn drei Grundbedürfnisse erfüllt sind.

Drei Grundbedürfnisse der Motivation
Nach der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan
  • Autonomie: selbst entscheiden können, was, wann und wie man lernt.
  • Kompetenz: sich als fähig erleben, merken, dass man vorankommt.
  • Zugehörigkeit: sich mit anderen verbunden fühlen, nicht allein lernen.

Fehlen diese drei, hilft auch eine Prämie wenig. Sind sie da, braucht es meist keine.

Was im Unternehmen hilft

Der Bezug zur eigenen Arbeit

Der stärkste Hebel. Wer merkt, dass eine Schulung morgen etwas leichter macht, lernt mit. Deshalb beginnt jede gute Einheit mit einer Situation aus dem Alltag der Teilnehmenden, und deshalb lohnt sich die Befragung der Zielgruppe vor der Schulung.

Wahl lassen

Wer selbst wählen kann, wann und in welcher Reihenfolge er lernt, ist eher dabei. Ein Lernpfad mit Empfehlung statt Sperre, kurze Einheiten statt fester Termine.

Schnelle Erfolgserlebnisse

Eine kleine Aufgabe, die gelingt, motiviert mehr als ein langer Vortrag. Bauen Sie früh Aufgaben ein, die zeigen: Das kann ich jetzt.

Zeit, die wirklich Zeit ist

Lernen, das nach Feierabend oder zwischen zwei Telefonaten stattfinden soll, wird als Last erlebt. Wer Lernzeit in die Arbeitszeit legt und dort schützt, sagt damit: Das ist uns wichtig.

Gemeinsam statt allein

Austausch über das Gelernte, eine Frage an die Kollegin, ein kurzes Gespräch mit der Führungskraft: Das macht aus einer Pflicht etwas Gemeinsames.

Pflicht­schulungen

Manche Schulungen sind Pflicht, etwa zur Arbeitssicherheit oder zum Datenschutz. Gerade hier ist der Bezug zum Alltag entscheidend. Eine Unterweisung, die mit einem echten Beinahe-Unfall aus dem eigenen Unternehmen beginnt, wird anders aufgenommen als eine, die mit Paragrafen beginnt.

Was weniger hilft als gedacht

Punkte, Abzeichen, Ranglisten. Sie erzeugen kurz Aufmerksamkeit. Sie können aber das Gefühl untergraben, aus eigenem Antrieb zu lernen, und Ranglisten belohnen das schnelle Klicken.

Prämien für Teilnahme. Sie belohnen das Dabeisein, nicht das Lernen.

Mehr über die Grundsätze des Lernens Erwachsener steht im Grundartikel Wie lernen Erwachsene?.

Häufige Fragen

Wie motiviert man Mitarbeiter zum Lernen?

Indem man den Nutzen für die eigene Arbeit zeigt, Wahl lässt, schnelle Erfolgserlebnisse ermöglicht und das Lernen in die Arbeitszeit legt. Interesse, Zeit und Bezug wirken stärker als Prämien.

Helfen Punkte und Abzeichen beim Lernen?

Kurzfristig können sie Aufmerksamkeit erzeugen. Für nachhaltiges Lernen im Beruf sind sie kein Ersatz für Sinn und Bezug. Ranglisten können sogar schaden, weil sie Tempo statt Verständnis belohnen.

Quellen

  • Deci, E. L., Ryan, R. M. (2000): The „what“ and „why“ of goal pursuits, Psychological Inquiry 11(4)
  • Institut der deutschen Wirtschaft, KOFA-Studie 1/2024: Weiterbildungskultur in KMU, PDF