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Wie Erwachsene lernen

Andragogik einfach erklärt: die Lehre vom Lernen Erwachsener

Von Thomas Kohns, Berufspädagoge · 11.09.2026 · 2 Minuten Lesezeit

Zwei Erwachsene lernen gemeinsam am Tisch

Andragogik setzt sich aus zwei griechischen Wörtern zusammen: anér, der Mann oder Mensch, und ágein, führen. Gemeint ist die Lehre vom Lernen und Lehren Erwachsener, als Gegenstück zur Pädagogik, die vom Kind ausgeht.

Woher der Begriff kommt

Den Begriff verwendete zuerst der deutsche Lehrer Alexander Kapp im Jahr 1833. Lange blieb er wenig beachtet. Bekannt wurde er erst im 20. Jahrhundert, vor allem durch den amerikanischen Erwachsenenbildner Malcolm Knowles. Im deutschsprachigen Raum hat sich unter anderem Jost Reischmann an der Universität Bamberg mit dem Begriff und seiner Geschichte befasst.

Die Annahmen von Knowles

Knowles hat beschrieben, worin sich das Lernen Erwachsener vom Lernen in der Schule unterscheidet. In späteren Fassungen sind es sechs Annahmen.

Die Annahmen der Andragogik nach Knowles
Leitlinien für das Lernen Erwachsener
  1. Wissen wollen, wozu: Erwachsene müssen verstehen, warum sie etwas lernen sollen.
  2. Selbstbild: Erwachsene sehen sich als selbstverantwortlich und wollen so behandelt werden.
  3. Erfahrung: Erwachsene bringen viel Erfahrung mit, die eine reiche Quelle zum Lernen ist und manchmal auch im Weg steht.
  4. Lernbereitschaft: Erwachsene sind bereit zu lernen, was sie in ihrer Lebenslage gerade brauchen.
  5. Orientierung: Erwachsene lernen an Aufgaben und Problemen, nicht an Fächern.
  6. Motivation: Bei Erwachsenen wirken innere Antriebe wie Zufriedenheit oder Selbstwert stärker als äußere.

Kritik am Modell

Die Andragogik ist kein festes Gesetz. Kritiker haben früh eingewandt, dass die Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen weniger scharf sind, als das Modell nahelegt. Auch Kinder lernen besser an Problemen, und manche Erwachsene wollen lieber geführt werden, etwa wenn das Thema völlig neu ist. Knowles selbst hat später betont, dass es eher um zwei Enden einer Skala geht als um zwei Gruppen.

Für die Praxis ist das eine nützliche Einschränkung: Die Annahmen sind gute Leitlinien, keine Schablone.

Was Unternehmen daraus machen können

  • Den Nutzen zuerst nennen. Jede Einheit beginnt mit dem Wozu.
  • Erfahrung einbeziehen. Erst fragen, dann erklären.
  • An echten Aufgaben lernen. Fälle aus dem eigenen Alltag statt Lehrbuchbeispiele.
  • Wahl lassen. Empfohlene Reihenfolge, aber springen erlaubt.
  • Zeit für Anwendung. Was nicht bald gebraucht wird, wird nicht behalten.

Wie diese Grundsätze mit der heutigen Lernforschung zusammenpassen, beschreibt der Grundartikel Wie lernen Erwachsene?.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Pädagogik und Andragogik?

Pädagogik bezieht sich wörtlich auf die Erziehung von Kindern, Andragogik auf die Bildung Erwachsener. In der Praxis wird Pädagogik oft als Oberbegriff verwendet, Andragogik betont die Besonderheiten des Lernens im Erwachsenenalter.

Wer hat die Andragogik begründet?

Den Begriff verwendete zuerst der Lehrer Alexander Kapp 1833. International bekannt wurde er durch den amerikanischen Erwachsenenbildner Malcolm Knowles ab den 1960er- und 1970er-Jahren.

Quellen

  • Knowles, M. S., Holton, E. F., Swanson, R. A. (2015): The Adult Learner, 8. Auflage, Routledge
  • Reischmann, J. (1997): Andragogik, Erziehungswissenschaft 15, peDOCS