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Schulungen und Lernangebote bauen

Micro­learning: Beispiele, Vorteile und wann es nicht passt

Von Thomas Kohns, Berufspädagoge · 18.09.2026 · 2 Minuten Lesezeit

Kurze Pause mit Tablet und Kaffee

Microlearning ist eines der Modewörter der Weiterbildung und wie bei den meisten Modewörtern steckt ein guter Kern darin. Gemeint ist Lernen in sehr kurzen Einheiten, meist wenige Minuten lang und jeweils einer Frage gewidmet. Zum Beispiel: Wie lege ich einen Rücksendeschein an? Was tue ich, wenn die Anlage einen Störcode zeigt? Wie formuliere ich eine Absage an einen Kunden?

Was dafür spricht

Zwei Befunde der Lernforschung stützen den Ansatz.

Kurze Videos halten besser. Philip Guo und Kollegen haben 2014 rund 6,9 Millionen Videositzungen auf der Lernplattform edX ausgewertet. Kürzere Videos, vor allem unter etwa sechs Minuten, wurden deutlich häufiger bis zum Ende geschaut. Die Daten stammen aus offenen Onlinekursen und nicht aus Unternehmen, die Richtung ist aber eindeutig.

Verteilt lernen behält mehr. Eine Meta-Analyse von Nicholas Cepeda und Kollegen aus dem Jahr 2006 umfasst über 300 Experimente. Wer denselben Stoff in Abständen lernt, behält mehr als jemand, der dieselbe Zeit an einem Stück lernt. Kurze Einheiten über Wochen passen genau dazu.

Dazu kommt ein praktischer Grund: In vielen Unternehmen gibt es keine zwei Stunden am Stück, aber fast überall zehn Minuten in der Pause.

Eine Schulung oder kurze Einheiten?
Microlearning passt für Teilbares, nicht für alles

Beispiele aus Unternehmen

  • Einarbeitung: Jeder Ablauf, der neuen Kolleginnen und Kollegen immer wieder erklärt wird, als eigene kurze Einheit.
  • Systeme: Eine Einheit je Funktion statt einer Stunde Gesamtschulung.
  • Sicherheit: Die jährliche Unterweisung als Wiederholung in kleinen Portionen über das Jahr.
  • Vertrieb: Ein Einwand, eine Antwort, ein Beispiel.
  • Nachschlagen: Die Einheit, die man in dem Moment öffnet, in dem man nicht weiterweiß.

Wann Micro­learning nicht passt

Bei komplexen Zusammenhängen. Wer verstehen soll, wie eine Anlage als Ganzes arbeitet, braucht mehr als zehn Einheiten zu je einem Teil. Die Teile müssen auch zusammengesetzt werden.

Bei Übung mit Rückmeldung. Ein Verkaufsgespräch lernt man im Gespräch, nicht im Video. Das Video kann vorbereiten, das Üben ersetzt es nicht.

Bei Haltung und Kultur. Wie man miteinander umgeht, lernt man im Team.

Wenn das Ganze fehlt. Eine Sammlung kurzer Einheiten ohne Weg hindurch ist eine Mediathek. Wer neu ist, weiß nicht, wo er anfangen soll. Deshalb braucht Microlearning einen Lernpfad.

Woran Sie eine gute Einheit erkennen

  • Sie beantwortet genau eine Frage und die steht im Titel.
  • Sie beginnt mit dem, was die Person danach tut, nicht mit Hintergrund.
  • Sie enthält eine kleine Aufgabe oder Prüffrage.
  • Sie funktioniert auf dem Telefon.
  • Zu jedem Video gibt es eine Abschrift für alle, die gerade nicht hören können.

Wie sich Microlearning mit gemeinsamen Terminen verbinden lässt, beschreibt der Artikel Blended Learning.

Häufige Fragen

Wie lang ist eine Microlearning-Einheit?

Meist zwei bis zehn Minuten. Entscheidend ist nicht die Minutenzahl, sondern dass eine Einheit genau eine Frage beantwortet.

Ersetzt Microlearning Schulungen?

Nicht vollständig. Für Grundlagen, Abläufe und das Auffrischen ist es stark. Für komplexe Zusammenhänge, Übung und Austausch braucht es zusätzlich längere Formate oder gemeinsame Termine.

Quellen

  • Guo, P. J., Kim, J., Rubin, R. (2014): How video production affects student engagement, ACM Learning@Scale, DOI
  • Cepeda, N. J. u. a. (2006): Distributed practice in verbal recall tasks, Psychological Bulletin 132(3), yorku.ca