Zum Inhalt

Schulungen und Lernangebote bauen

Lernziele formulieren: Beispiele, die man prüfen kann

Von Thomas Kohns, Berufspädagoge · 09.09.2026 · 2 Minuten Lesezeit

Notizblock mit einer Liste von Zielen auf dem Schreibtisch

Ein Lernziel sieht harmlos aus. Ein Satz, der beschreibt, worum es in der Schulung geht. Trotzdem entscheidet dieser Satz über vieles: was in die Schulung kommt, wie geübt wird und ob am Ende irgendjemand merkt, ob sie gewirkt hat.

Das Problem mit „kennt“

Die meisten Lernziele in Unternehmen sehen so aus:

  • Die Teilnehmenden kennen den Reklamationsprozess.
  • Die Teilnehmenden verstehen die Grundlagen des Datenschutzes.
  • Die Teilnehmenden wissen, wie das neue System funktioniert.

Alle drei klingen vernünftig, und keines lässt sich prüfen. Woran erkennen Sie, dass jemand etwas kennt? Ein Lernziel, das sich nicht prüfen lässt, wird auch nicht geprüft. Dann bleibt am Ende nur die Frage, ob es den Teilnehmenden gefallen hat.

Wie ein gutes Lernziel aussieht

Der Pädagoge Robert Mager hat 1962 beschrieben, was ein brauchbares Lernziel enthält. Seine drei Teile gelten bis heute:

Die drei Teile eines Lernziels
Nach Robert Mager (1962)
  1. Das Verhalten: Was tut die Person? Mit einem Verb, das man beobachten kann.
  2. Die Bedingungen: Unter welchen Umständen, mit welchen Hilfsmitteln?
  3. Der Maßstab: Woran erkennt man, dass es gut genug ist?

Ein Beispiel: „Die Teilnehmenden legen eine Reklamation im System an (Verhalten), anhand eines echten Kundenschreibens und ohne Hilfe (Bedingung), vollständig mit allen Pflichtfeldern (Maßstab).“

Für den Alltag reicht oft eine kürzere Form, solange das Verb trägt: „legt eine Reklamation vollständig im System an“.

Verben, die tragen

Nach der überarbeiteten Lernzieltaxonomie von Lorin Anderson und David Krathwohl lassen sich Lernziele nach ihrer Tiefe ordnen, vom Erinnern bis zum Erschaffen. Für Unternehmen hilft eine einfache Liste:

TiefeVerben
Wiedergebenbenennt, zählt auf, beschreibt
Verstehen zeigenerläutert, unterscheidet, ordnet ein, gibt ein Beispiel
Anwendenlegt an, führt durch, setzt ein, bereitet vor, erstellt
Prüfenanalysiert, prüft, vergleicht, findet den Fehler
Entscheidenbewertet, priorisiert, begründet, entscheidet
Gestaltenplant, entwirft, formuliert

Meiden Sie: kennt, weiß, versteht, kann, lernt, ist in der Lage, ist vertraut mit, hat ein Gefühl für.

Beispiele aus Unternehmen

SchwachPrüfbar
kennt die Sicherheitsregeln an der Pressebenennt die drei Schutzeinrichtungen der Presse und prüft sie vor Schichtbeginn
versteht die Preislogikerstellt ein Angebot nach Preisliste mit korrektem Mengenrabatt
weiß, wie man mit Beschwerden umgehtführt ein Beschwerdegespräch nach den vier Schritten und hält das Ergebnis im System fest
kennt den Datenschutzunterscheidet personenbezogene von anonymen Daten und entscheidet, ob ein Dokument verschickt werden darf
ist mit dem neuen System vertrautlegt einen Kundenauftrag an, ändert ihn und storniert ihn

Häufige Fehler

Das Lernziel beschreibt die Schulung. „Die Teilnehmenden erhalten einen Überblick über …“ beschreibt, was der Trainer tut. Ein Lernziel beschreibt, was die Teilnehmenden danach tun.

Zu viele Lernziele. Zehn Lernziele für einen Nachmittag bedeuten, dass zu viel Stoff hineinsoll. Dann hilft die didaktische Reduktion.

Das Lernziel passt nicht zur Prüfung. Wenn das Lernziel „legt an“ heißt, die Prüfung aber eine Multiple-Choice-Frage ist, prüft sie etwas anderes. Das Lernziel bestimmt, wie geprüft wird.

Lernziele sind der dritte Schritt im Schulungskonzept. Wer sie sauber formuliert, hat die Hälfte der Arbeit getan.

Häufige Fragen

Warum ist „kennt“ in einem Lernziel falsch?

Weil man nicht sehen kann, ob jemand etwas kennt. Ein Lernziel soll prüfbar sein. Wenn Wissen gemeint ist, benennen Sie, was die Person damit tut: Sie benennt, unterscheidet, ordnet ein oder erläutert.

Wie viele Lernziele braucht eine Schulung?

Für eine kurze Einheit eines bis drei, für einen ganzen Kurs selten mehr als zehn. Mehr Lernziele bedeuten meist, dass zu viel Stoff in eine Schulung soll.

Was sind Grobziele und Feinziele?

Grobziele beschreiben, was am Ende eines Kurses steht. Feinziele zerlegen das in die einzelnen Schritte einer Einheit. Beide sollten mit einem beobachtbaren Verb formuliert sein.

Quellen

  • Mager, R. F. (1962): Preparing Instructional Objectives, Fearon Publishers
  • Anderson, L. W., Krathwohl, D. R. (Hrsg.) (2001): A Taxonomy for Learning, Teaching, and Assessing, Longman