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Schulungen und Lernangebote bauen

Blended Learning: Konzept und Beispiel für Unternehmen

Von Thomas Kohns, Berufspädagoge · 23.09.2026 · 2 Minuten Lesezeit

Gruppe lernt gemeinsam am Laptop mit einem Trainer

Blended Learning heißt wörtlich „gemischtes Lernen“. Gemeint ist eine Schulung, die digitale Einheiten und gemeinsame Termine in einem Ablauf verbindet. Das klingt einfach und wird oft falsch umgesetzt: Eine Präsenzschulung bekommt ein paar Videos dazu und fertig ist das Blended Learning.

Die bessere Frage lautet: Was kann welcher Teil am besten?

Was digital gut geht und was gemeinsam

Eine Meta-Analyse von Traci Sitzmann und Kollegen zeigt, dass digitales Lernen Wissen bei gleich guter Didaktik mindestens so gut vermittelt wie Präsenzunterricht. Die Forschung zur Einarbeitung zeigt aber auch, dass rein digitale Formate das Soziale schwächen. Daraus ergibt sich eine sinnvolle Arbeitsteilung.

Blended Learning in drei Teilen
Jeder Teil macht, was er am besten kann
  • Vorher, digital: Grundlagen, Begriffe, Abläufe. Jeder lernt in seinem Tempo, wann es passt.
  • Gemeinsam: üben, Fragen klären, an echten Fällen arbeiten, voneinander lernen. Hier ist die gemeinsame Zeit am wertvollsten.
  • Danach, digital: Anwendung begleiten, auffrischen, nachschlagen. Einige Tage später die Frage, was sich in der Arbeit verändert hat.

Ein Beispiel

Ein ausgedachtes, aber typisches Beispiel: Ein Unternehmen führt ein neues Warenwirtschaftssystem ein. Früher hätte es dafür einen ganzen Schulungstag gegeben, mit Vortrag und Klickvorführung.

Im Blended Learning sieht es so aus:

  1. Zwei Wochen vorher: Sechs kurze Einheiten zu den Grundfunktionen, je wenige Minuten, mit kleinen Aufgaben im Testsystem.
  2. Gemeinsamer Termin, zwei Stunden: Keine Vorführung mehr, denn die Grundlagen sitzen. Stattdessen werden die eigenen Sonderfälle durchgespielt und die Fragen aus den Einheiten werden geklärt.
  3. Die ersten vier Wochen nach dem Start: Die Einheiten bleiben zum Nachschlagen. Neue Fragen werden gesammelt und als weitere Einheiten ergänzt.

Der gemeinsame Termin ist kürzer und wertvoller, weil er nicht mehr mit dem verbracht wird, was jeder auch allein lernen kann.

Typische Formen

  • Umgedrehter Unterricht (Flipped Classroom): Wissen vorher digital, der Termin ist zum Üben da.
  • Begleitete Selbstlernphase: Digitale Einheiten über Wochen, dazwischen kurze gemeinsame Termine.
  • Präsenz mit digitaler Nachbereitung: Der Termin bleibt, danach sichern digitale Einheiten den Transfer.

Worauf es ankommt

  • Die Teile müssen aufeinander aufbauen. Wer zum Termin kommt, ohne die Vorbereitung gemacht zu haben, sitzt im falschen Film. Planen Sie dafür, zum Beispiel mit einer kurzen Prüffrage vorab.
  • Die Vorbereitung muss in die Arbeitszeit passen. Verpflichtende Lerneinheiten sind Arbeitszeit.
  • Der gemeinsame Termin darf keine Wiederholung sein. Sonst lernen die Teilnehmenden schnell, dass sie die Vorbereitung auch weglassen können.

Wie Sie die digitalen Teile kurz halten, beschreibt der Artikel Microlearning. Welches Format zu Ihrer Schulung passt, ergibt sich im fünften Schritt des Schulungskonzepts.

Häufige Fragen

Was bedeutet Blended Learning?

Wörtlich „gemischtes Lernen“. Gemeint ist die geplante Verbindung von digitalen Lerneinheiten und gemeinsamen Terminen in einem Ablauf.

Ist Blended Learning besser als reine Präsenz?

Nicht automatisch. Es ist dann besser, wenn jeder Teil das tut, was er am besten kann. Eine Präsenzschulung, die nur um ein paar Videos ergänzt wird, ist noch kein gutes Blended Learning.

Quellen

  • Sitzmann, T. u. a. (2006): The comparative effectiveness of web-based and classroom instruction, Personnel Psychology 59(3), DOI
  • Wesson, M. J., Gogus, C. I. (2005): Shaking the hand of the computer, Journal of Applied Psychology 90(5), PubMed