In vielen Unternehmen gibt es mehr Lernmaterial, als man denkt. Handbücher, Präsentationen, Videos von der letzten Schulung, ein Ordner mit Abläufen. Wer neu anfängt, bekommt den Link zu diesem Ordner und die Frage, ob er Fragen hat. Er hat eine: Womit fange ich an?
Ein Lernpfad beantwortet genau diese Frage.
Was einen Lernpfad ausmacht
- Ein Ziel: Wohin führt der Pfad? Zum Beispiel: Die neue Kollegin betreut nach drei Monaten ihre Stammkunden selbstständig.
- Eine Reihenfolge: Was kommt zuerst, was baut worauf auf?
- Kurze Einheiten: Jede Station beantwortet eine Frage.
- Haltepunkte: Stellen, an denen geprüft oder gesprochen wird, ob es sitzt.
Führen ohne zu sperren
Viele Lernsysteme bieten an, Kapitel zu sperren, bis das vorherige erledigt ist. Das klingt nach Ordnung und ist für Erwachsene meist hinderlich. Malcolm Knowles, einer der Begründer der Erwachsenenbildung, hat beschrieben, dass Erwachsene ihre Erfahrung mitbringen und selbst steuern wollen. Wer schon weiß, wie das Telefonsystem funktioniert, will das Kapitel nicht durchklicken müssen.
Ein guter Lernpfad empfiehlt eine Reihenfolge und lässt springen. Gesperrt wird nur dort, wo etwas ohne Vorwissen gefährlich wäre, etwa vor der Arbeit an einer Maschine.
So bauen Sie einen Lernpfad
- Legen Sie das Ziel fest. Was tut die Person am Ende selbstständig?
- Sammeln Sie, was sie dafür braucht. Am besten mit jemandem, der die Aufgabe heute erledigt.
- Ordnen Sie nach Abhängigkeit. Was muss man wissen, bevor man etwas anderes versteht?
- Ordnen Sie nach Bedarf. Was wird in der ersten Woche gebraucht, was erst im zweiten Monat?
- Prüfen Sie, was schon da ist. Vieles gibt es bereits und muss nur gekürzt oder neu geschnitten werden.
- Füllen Sie die Lücken. Was fehlt, wird als kurze Einheit neu gebaut.
- Setzen Sie Haltepunkte. Eine Aufgabe, eine Selbstprüfung, ein Gespräch.
Ein Beispiel
Ein ausgedachter, aber typischer Lernpfad für die Einarbeitung im Kundenservice:
| Abschnitt | Einheiten | Haltepunkt |
|---|---|---|
| Ankommen | Wer ist wer, wie wir arbeiten, die wichtigsten Werkzeuge | Gespräch am Ende der Woche |
| Grundlagen | Produkte, Ticketsystem, die zehn häufigsten Anfragen | Drei echte Anfragen mit Pate |
| Sonderfälle | Reklamationen, Eskalationen, Kulanz | Selbstprüfung |
| Selbstständig | Eigene Anfragen, Qualitätsregeln, Übergaben | Gespräch nach 60 Tagen |
Häufige Fehler
- Ein Pfad für alle Rollen. Was für den Außendienst passt, hilft der Buchhaltung wenig. Ein gemeinsamer Anfang, dann getrennte Wege.
- Zu lang. Ein Pfad mit achtzig Stationen schreckt ab. Lieber mehrere kürzere Pfade.
- Kein Ende. Ein Pfad ohne Ziel wird zur Sammlung.
- Nie überarbeitet. Was die Neuen nach dem Pfad noch fragen, gehört beim nächsten Mal hinein.
Wie die einzelnen Einheiten aussehen sollten, beschreibt der Artikel Microlearning. Für die Einarbeitung ist der Lernpfad die digitale Seite des Einarbeitungsplans.
Häufige Fragen
Was ist ein Lernpfad?
Eine Abfolge von Lerneinheiten, die zu einem Ziel führt, etwa zur selbstständigen Arbeit in einer neuen Stelle. Er sagt, was in welcher Reihenfolge sinnvoll ist.
Sollte ein Lernpfad Kapitel sperren, bis das vorherige erledigt ist?
In der Regel nicht. Erwachsene bringen Vorwissen mit und wollen springen dürfen. Eine empfohlene Reihenfolge führt, ohne zu bevormunden. Sperren lohnen sich nur, wo etwas ohne Vorwissen gefährlich wäre.
Quellen
- Knowles, M. S. (1980): The Modern Practice of Adult Education, Cambridge Adult Education



