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Einarbeitung und Onboarding

Onboarding-Plan für die ersten 90 Tage

Von Thomas Kohns, Berufspädagoge · 28.09.2026 · 2 Minuten Lesezeit

Hand schreibt in einen Wochenplan

Die meisten Unternehmen geben sich in der ersten Woche viel Mühe. Danach wird es still. Die neue Kollegin ist ja da, sie arbeitet, es scheint zu laufen. Genau in dieser Zeit entscheidet sich aber, ob sie bleibt und wie schnell sie wirklich sicher wird.

Was in den ersten 90 Tagen passiert

John Kammeyer-Mueller und Kollegen haben 264 neue Mitarbeitende über die ersten 90 Tage begleitet und sie vierzehnmal befragt. Zwei Ergebnisse sind für die Praxis wichtig.

Erstens nimmt die Unterstützung durch Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzte in dieser Zeit ab. Zweitens sagt die Unterstützung ganz am Anfang die späteren Ergebnisse stärker voraus als ihr Verlauf. Wer früh gut begleitet wird, kommt besser an.

Daraus folgt: Die ersten Wochen verdienen die meiste Aufmerksamkeit, und die Begleitung braucht feste Punkte, damit sie nicht unbemerkt einschläft.

Der Plan in drei Monaten

Die ersten 90 Tage
Drei Monate, drei Schwerpunkte, drei Gespräche

Monat 1: Ankommen und Grundlagen

Die neue Person lernt die Menschen, die Abläufe und die Werkzeuge kennen. Sie übernimmt erste eigene Aufgaben, die überschaubar sind und schnell Erfolg zeigen. Der Pate ist täglich ansprechbar.

Am Ende steht das Gespräch nach 30 Tagen: Wie ist die neue Person angekommen? Was ist klar, was nicht? Stimmen die Erwartungen?

Monat 2: Selbstständig werden

Die Aufgaben wachsen. Die neue Person arbeitet zunehmend allein und holt sich gezielt Hilfe. Jetzt kommen die Themen dazu, die nicht jeden Tag vorkommen, etwa Reklamationen oder Monatsabschlüsse.

Das Gespräch nach 60 Tagen fällt in der Praxis am häufigsten aus, weil gerade alles läuft. Es ist aber das Gespräch, in dem sich kleine Probleme noch leicht lösen lassen.

Monat 3: Verantwortung übernehmen

Die neue Person übernimmt einen eigenen Bereich, etwa Stammkunden oder einen Abschnitt in der Produktion. Der Pate tritt zurück. Das Gespräch nach 90 Tagen schaut auf die ersten drei Monate und auf den Rest der Probezeit.

Die drei Gespräche

GesprächLeitfrageWas festgehalten wird
Nach 30 Tagen„Wie bist du angekommen?“Offene Fragen, Erwartungen, Schwerpunkt Monat 2
Nach 60 Tagen„Wo brauchst du noch Unterstützung?“Lücken, Hilfen, Schwerpunkt Monat 3
Nach 90 Tagen„Wo stehst du, wo willst du hin?“Stand, Ziele bis zum Ende der Probezeit

Jedes Gespräch hat zwei Richtungen. Die Führungskraft gibt Rückmeldung, und sie fragt, was in der Einarbeitung fehlt. Die zweite Frage ist für das Unternehmen besonders wertvoll.

Und danach?

Die Probezeit dauert nach § 622 Abs. 3 BGB höchstens sechs Monate. Die 90 Tage sind also nicht das Ende, aber der dichteste Teil. Was danach kommt, ist im Grundartikel Einarbeitung neuer Mitarbeiter beschrieben, und den Plan zum Ausfüllen finden Sie unter Einarbeitungsplan erstellen.

Häufige Fragen

Warum gerade 90 Tage?

Drei Monate sind lang genug, um eine Stelle wirklich kennenzulernen, und kurz genug, um innerhalb der Probezeit nachzusteuern. Die Forschung von Kammeyer-Mueller und Kollegen (2013) hat genau diesen Zeitraum untersucht.

Was wird im 30-Tage-Gespräch besprochen?

Wie die neue Person angekommen ist, was klar ist und was nicht, ob die Erwartungen auf beiden Seiten stimmen und was im zweiten Monat ansteht.

Quellen

  • Kammeyer-Mueller, J. u. a. (2013): Support, undermining, and newcomer socialization: Fitting in during the first 90 days, Academy of Management Journal 56(4), DOI
  • § 622 BGB, Probezeit und Kündigungsfrist, gesetze-im-internet.de